Château des Papillons
(Sommerschluss in Marseillan)
Boutiquen und Bistros geschlossen
blankgefegt der Strand
was nicht festgezurrt, verankert
reißt der Wind davon.
Alles – treibt er vor sich her.
Greift bis in meinen Kopf
und bläst ihn von Gedanken leer
Am Sonntagmorgen, sucht ein Fasan
die rote Erde ab
auch er, wie Halm und Busch
schon im Entfärben
Die Nachbarn haben ihre Fenster, Türen zugeklappt
verriegelt, vorm Wind versiegelt.
Tags drauf, sind tausende von Sängern hier
ein letztes Großkonzert
sie fressen sich die Bäuche voll
mit Allem was geblieben.
Laut schwillt es an, sie schreien gar, den Wind zu überbieten
Schlag drauf ist Stille, dann ein gewaltig Brausen
als zweimal tausende von Flügeln
gemeinsam hoch im rätselhaften Schwarm
auf Wind und übers Meer
gen Süden fliegen
Geäst, Gezweig, Gespinst – dort seh ich Puppen schaukeln
und hör sie träumen
von ihren Farben, ihren Tänzen
in wieder aufgewachten Räumen
von neuer Wärme und vom Flügel spannen.
Sie lächeln leise vor sich hin
und drehen sich im Wind
in ihrem sichren Hafen:
nur noch
nur noch
nur noch
ein paar Wochen
träumen
schlafen.
Peter Weisser Januar 2022
Das "Château des Papillons" ist ein Ferienhäuschen in Südfrankreich, in dem ich im Herbst 2021 zwei Wochen mit Schreiben verbrachte.
… des Müllers Lust
Tag 1 (heiter)
Regen, Regen, ohne Unterlass fällt Regen
der Juli sei ein Sonnenkind?
von wegen
ich seh, spür, riech und fühl nur Regen.
2. Tag (trotzig gelassen)
Rigen, Rigen, ohn Unterlass fällt Rigen
auf allen Pfaden, allen Wigen
macht er sich breit
der pausenlos bereite Rigen
5. Tag (zornig)
Rogen, Rogen, woher bloß all der viele Rogen?
Wann endlich kommt in Sicht ein Rogenbogen?
Vom Hut bis runter zu den Sogen
schwappt, schmatzt, schwemmt
der Rogen
Tag 7 (verzweifelt)
Ragen, Ragen, ohn Unterlass fällt Ragen
tropft mir beständig in den Kragen
schlägt mir seit Tagen
schon auf den Magen
was soll ich sagen:
zuviel des Ragen
Ende der 3. Woche (tonlos)
Ruuu-gen
die Welt geht aus den Fugen
verschwimmt, ertrinkt
im Regen
Ragen
Rigen
Rogen Rugen
Peter Weisser September 2020
Das war dann einfach zuviel!